Polosport am Chiemsee
Polo am Chiemsee
Was viele nicht wissen, was man aber in jedem Fall wissen sollte: Am Chiemsee wird auch Polo gespielt! Und das inzwischen seit über 20 Jahren. Diese doch immer noch in Deutschland eher außergewöhnliche Sportart wird hier mit viel Engagement und Herzblut betrieben.
Auf dem Gelände von Gut Ising befinden sich zwei Polospielfelder und ein Polo-Übungsplatz so wie ein Polosandplatz. Hier finden regelmäßig über die Saison Turniere statt. An den Wochenenden, an welchen keine Turniere stattfinden so wie mittwochabends ab sechs trifft sich zudem hier der Isinger Polo Club zu Übungschukkern. Natürlich sind sowohl bei Turnieren als auch bei den Clubchukkern Zuschauer und Polointeressierte immer herzlich willkommen.
Der Polosport kann bereits auf eine lange Tradition zurück blicken. Die Anfänge dieses Sportes liegen bereits im antiken Persien und sind bis zum Jahr 600 vor Christus zurück zu verfolgen. Der Polosport wurde in Indien zunehmend populär und wurde sogar ein Nationalsport. Das Polo verbreitete sich weiter nach Arabien und Indien. Erst im 19ten Jahrhundert gelang diese außergewöhnliche Sportart durch in Indien stationierte englische Kavallerie-Offiziere nach Großbritannien und damit nach Europa. Durch die Briten gelangte das Polo denn auch nach Argentinien, welches heute als „Heimat“ des Polosportes angesehen wird. Die besten Polospieler der Welt, beinahe alle Polopferde und die meisten Grooms (Pferdepfleger und –trainer der Polopferde) kommen heutzutage aus Argentinien so wie die gesamte Poloausrüstung, viele Bräuche und Traditionen und so manches mehr.
Ein Polospielfeld ist in etwa 270 Meter lang und 180 Meter breit. An beiden Enden befindet sich in der Mitte ein Tor, welches durch zwei acht Meter auseinander stehende Pfosten begrenzt wird. Nach oben hin hat das Tor keine Begrenzung. Bei einem Spiel befinden sich neben den beiden Mannschaften zwei berittene Schiedsrichter auf dem Spielfeld und ein dritter beobachtet das Geschehen vom Spielfeldrand. Dieser hat das letzte Wort, sollten sich die beiden Schiedsrichter auf dem Platz einmal nicht einig sein, was durchaus vorkommt.
Das Spiel selbst ist eine Mannschaftssportart, wobei zwei Teams mit jeweils vier Spielern gegeneinander antreten. In Deutschland werden pro Spiel vier Chukker (ähnlich einer Halbzeit beim Fußball) gespielt, in anderen Ländern können durchaus auch mehr Chukker der Regelfall sein. Die ersten drei Chukker werden nach 7 Minuten abgeläutet, wobei jeweils noch 30 Sekunden weiter gespielt wird bis der Chukker tatsächlich zu ende ist, es sei denn, in diesen 30 Sekunden wird vom Schiedsrichter abgepfiffen (wegen einem Regelverstoß, weil der Ball im Aus ist oder sonstiges), dann ist mit dem Pfiff der Chukker beendet. Der letzte Chukker ist direkt und ohne Verlängerungsmöglichkeiten nach sieben Minuten beendet. Diese Zeitvorgaben sind jedoch reine Spielzeit. Das heißt, bei jedem Schiedsrichterpfiff wird die Zeit angehalten und erst, wenn das Spiel weiter geht, läuft auch die Zeit wieder weiter. Daher dauert ein Chukker in Wirklichkeit normalerweise zwischen 15 und 30 Minuten.
Pro Spieler geht man in Deutschland für ein Spiel von durchschnittlich vier Pferden, also einem Pferd pro Chukker aus. Theoretisch kann man auch nur mit zwei Pferden antreten, doch das ist doch sehr riskant, da so ein Turnierwochenende doch auch für die Pferde anstrengend ist und sollte sich bei zwei Pferden eines verletzten, so kann man nicht mehr weiter spielen. Nach den Regeln muss jedes Pferd mindestens ein Chukker Pause haben, bevor es wieder eingesetzt werden kann, und darf pro Tag nur maximal zwei Chukker laufen.
Überhaupt geht es bei den Regeln im Polo in erster Linie um den Schutz der Pferde und deren Gesundheit. So wird zum Beispiel ein Faul im Polo bereits abgepfiffen, bevor es passiert. Das heißt, wenn sich zwei Pferde auf Kollisionskurs befinden, so wird das Spiel aus Sicherheitsgründen unterbrochen, noch bevor die Pferde in ernsthafte Gefahr kommen. Sollte sich doch einmal ein Pferd verletzen, etwas an der Ausrüstung des Pferdes auf oder kaputt geht oder ein Pferd in irgendeine andere Art von Gefahr geraten könnte, so wird das Spiel augenblicklich unterbrochen. Nicht so jedoch, wenn ein Reiter stürzt und der Sturz nicht überaus gefährlich war oder etwas an der Ausrüstung eines Spielers kaputt geht oder sich löst. Dann läuft das Spiel weiter und die betroffene Person muss zusehen, dass sie den Schaden so schnell wie möglich beheben kann, damit sie seinem Team wieder beistehen kann.
Eine weitere Besonderheit im Polosport ist, dass die Spielrichtung nach jedem erzielten Tor wechselt. Dies hat seine Herkunft darin, dass in Argentinien wegen der Hitze meistens erst am Abend gespielt werden kann und somit eine Mannschaft immer gegen die Sonne spielen muss, wodurch sie einen klaren Nachteil hat. Um diese Benachteiligung eines Teams auszuschließen wird nach jedem Tor die Seite gewechselt.
Neben dem Poloclub findet man in Ising auch Deutschlands größte Poloschule unter der Leitung von Carlito Velasquez. Und das Beste ist, man muss nicht über reiterische Vorkenntnisse verfügen, möchte man sich einmal an das Polo heran wagen. So mancher hat mit dem Polospielen auch erst das Reiten gelernt. Bei Carlito Velasquez kann man in diesen Sport hineinschnuppern, einen Wochenendkurs buchen oder auch gleich eine ganze Woche trainieren. Auf individuelle Wünsche und Bedürfnisse geht er immer gerne ein und hat für alles eine Lösung parat. Doch hier heißt Polo lernen nicht einfach nur Polo lernen. Gleichzeitig mit der Einführung in diese Sportart erhält man auch einen Schnelldurchlauf, was die argentinische Lebensweise betrifft und ehe man es sich versieht verbringt man seine Abende am Lagerfeuer bei einem leckeren Asado, lauscht melancholischen Gitarrenklängen eines fernen Landes und fragt sich, wie man je ohne diese Lebensbereicherung auskommen konnte.