Schloss Herrenchiemsee
Das Schloss Herrenchiemsee
Das Schloss Herrenchiemsee liegt auf der Herreninsel im Chiemsee und wird jährlich von einer Vielzahl von Touristen als Ausflugsziel gewählt. Es wurde seiner Zeit von König Ludwig II erbaut und während das Schloss Neuschwanstein eher einer Ritterburg nachempfunden wurde und Schloss Linderhof einer Villa, sollte das letzte Schloss von König Ludwig II, Herrenchiemsee, dem Schloss Versailles gleich gebaut werden und als Denkmal an die französischen Bourbonenkönige fungieren, welche König Ludwig II sehr bewunderte. Das man das Schloss besichtigen kann war eigentlich nicht im Sinne des Erfinders, denn Herrenchiemsee sollte König Ludwig II nur als privater Aufenthaltsort dienen. Hier wollte er sich ganz in seine Traumwelt zurück ziehen können. Ursprünglich sollte das Schloss gar nicht im Chiemsee erbaut werden, sondern im Graswangtal in der Nähe von Schloss Linderhof. Doch auf Grund von Platzmangel wurde dann doch die Herreninsel gewählt, was jedoch nicht zur Freude des Königs war, da dieser den See nicht mochte und ihm die Berge zu weit weg waren.
Nach einer langen Planung über 13 Phasen hatte sich der König dann endlich für die Pläne von Georg Dollmann entschieden und im Jahre 1878 wurde mit dem Bau begonnen. Auch wenn das Schloss ursprünglich ein Ebenbild von Versailles werden sollte, sieht es letzten Endes doch sehr anders aus. Versailles ist eine vielflügelige Anlage, Herrenchiemsee jedoch besteht nur aus einem dreiflügeligen Haupttrakt, wobei der Nordflügel nach dem Tod von König Ludwig II wieder abgerissen wurde und der Südflügel wurde nicht einmal begonnen. Ein Grund für diese gravierenden Abweichungen ist wohl darin zu suchen, dass dem König noch während der Bauzeit das Geld ausging.
Der Geldmangel ist auch der Grund, warum trotz zehnjähriger Bauzeit das Schloss nie fertig geworden ist. Es wechseln sich prunkvoll gestaltete Räume mit unverputzten Kammern ab. Insgesamt wurden von den gebauten 70 Zimmern lediglich 20 fertig gestellt. Und auch hier sind wieder erhebliche Abweichungen vom Vorbild Versailles festzustellen. Die ursprünglichen Pläne waren Versailles zwar noch sehr getreu, doch im Nachhinein wurden die Räume auf Wunsch von König Ludwig II wesentlich prunkvoller und großzügiger ausgebaut als die französischen Originale. Besonders bekannt sind das Prunkschlafzimmer, welches im Mittelpunkt des Schlosses zu finden ist, der große Spiegelsaal mit einer Länge von 98 Metern, in dem heute bisweilen Konzerte veranstaltet werden und das Speisezimmer, welches wegen dem Tischlein-deck-dich besonders bei den Kindern große Begeisterung hervorruft. König Ludwig II wollte in seinem Schloss absolut unbehelligt bleiben und nicht einmal von seinen Dienern gestört werden. Daher ließ er sich dieses Tischlein-deck-dich einbauen. Dies ist ein Tisch, der
mechanisch in den Raum darunter gefahren werden konnte, dort gedeckt werden und wieder in das Speisezimmer von König Ludwig II befördert werden konnte. Das einzige Problem an der ganzen Sache war, dass es im Schloss keine Küche gab und daher alle Speisen erst mit der Kutsche heran transportiert werden mussten. Allerdings war das nicht all zu tragisch, da König Ludwig II sich lediglich 10 Tage in seinem Leben im Schloss Herrenchiemsee aufhielt. Er war zwar gelegentlich auf der Insel, um die Bauarbeiten zu überwachen, jedoch wohnte er dann in einer Wohnung im alten Schloss auf, welches aus dem Kloster auf der Herreninsel entstanden ist.
Vor dem Schloss findet man eine phantastische Parkanlage. Dieser Barockpark entstand nach den Plänen von Carl von Effens und ist ebenfalls Versailles nachempfunden. Man findet hier neben diversen anderen Brunnen auch einen Latona-Brunnen, der ebenfalls in Versailles zu besichtigen ist. Allerdings ist der Park auf Herrenchiemsee deutlich kleiner wie der seines Vorbilds. Amüsant ist, dass während der seltenen besuche von König Ludwig II die Bepflanzung auf Leinwände gemalt wurde, um dem König eine üppige Landschaft zu simulieren, denn die Bepflanzungen waren damals noch zu klein um prächtig zu wirken.